Sonntag, 27. Mai 2012

Die Meistersinger von Zante Nachdem ich gestern Abend um neun Uhr streichfähig ins Bettchen gefallen und erst heute um 10h früh von der Gassi bedürftigen Gina aus süßen Träumen geleckt wurde, komme ich erst jetzt dazu, die Geschehnisse der letzten Tage zu bloggen. Asche auf mein Haupt. Vorgestern abends hat sich die noch kleine SOAK-Vorhut, verstärkt durch Costas von der Logos-Bar, kurzerhand in die Stadt begeben, um in trauter Runde auf die 20-jährige Jubiläumssaison anzustoßen. Gelandet sind wir dann in der "Varkarola" von Costas Bruder Yannis, in welcher Taverne direkt an der Hafenstraße es nicht nur vorzügliche Küche sondern auch herrliche zakynthische Musik zu hören gibt. Yannis, der auch in Vasilikos das Lokal "Costas Brother" betreibt, verfügt über eine beeindruckende Naturstimme und auch seine beiden Söhne stehen ihm in keiner Weise nach. Serviert wurde uns ein herrlicher Fisch namens Galeos, garniert mit Mandolinen & Gitarrenmusik - nostimo ine! Als ich Yannis kurz darauf hinwies, dass wir mit Omar auch einen wunderbaren lateinamerikanischen Musiker in unseren Reihen hätten, wechselte flugs die Gitarre und das ganze Lokal lauschte zunächst berühmten kubanischen Songs wie "Chan Chan" oder "Che Guevara" (Revolutionslieder kommen derzeit übrigens in Griechenland sehr gut an :-)). Plötzlich erhob sich am Tisch nebenan ein Mann und begann spontan und acapella ein irisches Liebeslied in bemerkenswerter Qualität vorzutragen. Als Zugabe gab es dann noch ein Lied aus dem irischen Bürgerkrieg. Dies verbesserte erheblich die Stimmung in seiner Ründe, die sich sodann als internationale Lehrergruppe entpuppte. Zwei Damen aus derselben, Spanierinnen, sprangen auf und verlangten nach Flamenco-Musik, die Omar auch prompt zur Verfügung hatte. Die eigentliche Sensation bestand aber darin, dass Petros, der Mandolinist des Lokals, prompt einstimmte und sich somit zur Begeisterung von allen neue spanisch-zantiotische Klangwelten erschlossen. Die beiden Spanieriennen tanzten derweil Flamenco auf der Strada Marina. Angelockt von diesen Klangwolken erschien schließlich noch der bekannteste Mandolinenspieler der Insel, auch Professor am örtlichen Musikgymnasium, im Lokal. Das war der Auftakt zu einem unbeschreiblichen lateinamerikanisch-griechischen Musikwettstreit der Sonderklasse, dessen Gewinner vorallem wir als Zuhörer waren. Der herrlich-süffige Weiswein namens Verdea aus Yannis eigenem biologischen Anbau floss in Strömen und der gute Costas war um drei Uhr in der Früh deshalb nicht mehr wirklich in der Lage, sein Auto nach Vasilikos zu pilotieren. Gott sei Dank hatte sich Gottfried etwas zurück gehalten und stand als Ersatzchaffeur zur Verfügung. Ein durch und durch gelungener Abend, den man in dieser Form einfach nur im Süden erleben und genießen kann. Da kommt kein mißmutiger Nachbar und beklagt sich über störende Musik und auch die Polizisten kurbeln die Fenster ihrer nächtlichen Polizeistreife hinunter, um im Vorbeifahren kurz den beschwingten Klängen zu lauschen, die in der sternenklaren Nacht über das Meer verstreuen.
Kommentar veröffentlichen