Sonntag, 27. Mai 2012

ORGANISATION AUF GRIECHISCH Vergangenes Jahr hatte ich die Idee, den Inselverantwortlichen den Aufbau einer Tourismusschule mit österreichischem Know-How vorzuschlagen. Rund eine halbe Million Touristen kommen alljährlich nach Zakynthos und der Tourismus ist mit Abstand die Haupteinnahmenquelle des Eilands. Es besteht jedoch keine ernst zu nehmende Ausbildungseinrichtung für Zakynther, die in diesem so wichtigen Segment erfolgreich arbeiten wollen. Da Interesse an einer solchen Einrichtung und touristischem Know-How-Transfer allgemein bekundet wurde, organisierte die SOAK drei österreichische Spitzenexperten für eine Informationswochenende auf Zakynthos. Die Stadt Zakynthos sollte die Infrastruktur für diese Veranstaltung zur Verfügung stellen, Tourismusverantwortliche und Meinungsbildner einladen und diese Expertentage medial bewerben. Im Vorfeld klappte alles reibungslos - ola kala, tipota problema - mach' dir keine Sorgen, alles im Griff. Aber auf Griechisch - und das heißt: erst am letzten Tag & mit sanftem Hilfestellungsdruck. Als ich am Donnerstag die ersten Gespräche auf der Insel führe, gibt es nämlich noch keine verteilten Einladungen, keine Plakate und keine mediale Berichterstattung. Sigas, sigas, sagt mein Ansprechpartner, machen wir schon. Ein kleines improvisiertes Fernsehinterview gleich im Arbeitszimmer der Redakteurin, eine spontane Plakatdruckaktion in der Druckerei einer Tageszeitung und eine improvisierte Zettelverteilaktion, um doch noch Publikum zu aktivieren. Der Vortragssaal ist ein ansehnliches Auditorium für ca. 200 Personen - leider ohne Simultandolmetschanlage: die wurde angeblich einige Tage zuvor gestohlen. Wir kommen sicherheitshalber eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn und werden in unserer Vorahnung bestätigt: noch nichts ist vorbereitet. Also legen wir selbst Hand an und installieren ein ansprechendes Setting, drucken Namenskarten aus und kümmern uns um Licht und Ton. Die Gäste tröpfeln langsam ein und mit halbstündiger Verspätung erscheinen dann auch der Bürgermeister und andere Repräsentanten der Stadt. Vor ca. 50 Personen sprechen dann Dr. Florian Aubke von der MODUL-University Vienna über Kooperationsmöglichkeiten im touristischen Bildungsbereich, DI. Werner Stark von Pronatour Austria über die Entwicklung und Errichtung von touristischen Erlebnislandschaften und der Architekt Prof. Georg Reinberg über Planen und Bauen mit erneuerbaren Energiequellen im touristischen Bereich. Ich resümiere meine 20-jährige Erfahrung mit dem Tourismus auf Zakynthos und versuche, Impulse für eine nachhaltige und qualitative zukünftige Entwicklung des Tourismus auf dieser wunderschönen Insel zu geben. Mit zunehmender Dauer wächst das Interesse im Publikum. So eine dichte Veranstaltung mit derartig interessanten Inhalten habe es noch nie gegeben - viel zu spät sei dies von der Stadt über die Medien kommuniziert worden. Die Politiker seien eben mehr mit ihren Wahlkampfveranstaltungen beschäftigt, als sich um sinnvolle und für die Zukunft wichtige Projekte zu kümmern. Die Enttäuschung der Griechen über ihre politische Führung ist maßlos, es besteht keinerlei Vertrauensbasis. Für Veränderungen gibt es weder Geld noch Ideen und wer Geld und Ideen hat, geht nicht in die Politik sondern versucht lieber, seine eigenen Interessen zu wahren. Mir selbst wird während der Veranstaltung bewusst, dass lediglich mit dem erprobten Know-How dieser drei österreichischen Experten die Qualität des touristischen Angebotes auf Zakynthos zum Vorteil aller erheblich verbessert werden könnte. Aber werden dies die Verantwortlichen der Insel erkennen?
Kommentar veröffentlichen