Donnerstag, 28. Juni 2012

Natur pur

Darf's ein bisserl Mönchspfeffer vom "Keuschen Lamm-Strauch" sein? Oder vielleicht eine bekömmliche Mischung aus wildem Thymian, Bergsalbei und sideritis syriaca (syrisches Gliedkraut) für alle Bronco-Saurier? Uwe Passauer ist in seinem Element. Und der Tisch vor ihm mit pflanzlichen Anschauungsmaterial voll belegt. Wenn man Jahrzehnte Sammlungsleiter im Naturhistorischen Museum Wien war und einer der Pilzpäbste des Landes ist, gibt es Einiges zu erzählen. Gewürzt mit wunderbaren Geschichten aus der griechischen Antike und einer feinen Prise Humor. Schon mal was vom Asphodelus gehört? Schon Homer erzählte von Wiesen mit hohen, weißgrauen Halmen, die im Sommer wie abgedörrtes Getreide aussehen. Für den alten Erzähler waren dies die aus dem Hades zurück gekehrten griechischen Recken des Trojanischen Krieges. Die zur Familie der Grasbaumgewächse zählende Pflanze geht im Sommer in Schonbetrieb und entwickelt erst wieder im Herbst wunderschöne weiße Blüten. Neben allerlei lieblichen Gewächsen hält die Natur auf Zante aber auch Allerlei auf Lager, dem man/frau sich mit Respekt nähern sollte. Etwa die riesengroße rote Meerzwiebel (urginea maritima), die in der Antike sowohl als beliebtes Heilmittel und Schutzpflanze neben der Haustüre aber auch als hocheffektives Rattengift verwendet wurde. Ihr Saft ist ziemlich ätzend, was selbst der erfahrene Biologe Uwe unvermittelt zu spüren bekam, als er eine kleinere Zwiebel zu Demonstrationszwecken von der größeren Mutterzwiebel löste. Autsch! Also bitte nur mit Handschutz angreifen! So hingen wir Amateur-Biologen heute denn zwei Stunden lang an Uwe's Lippen, schnupperten uns an Jasmin und Zitronenblättern die zarten Nasen wund und können schon kaum unsere morgige erste kleine Exkursion erwarten. Und die Taschenlupe mit der Zehnfachvergrößerung steckt schon in meiner Hosentasche, um die "Fior di Levante" ausgiebigst zu bestimmen.

Dienstag, 19. Juni 2012

Griechenland nach der Wahl

So, noch ein abschließendes Posting zum Thema der griechischen Wahlen. Diese haben zumindest die Möglichkeit eröffnet, eine Zweiparteienkoalition mit bequemer absoluter Mandatsmehrheit zu bilden und damit das Land wieder handlungsfähig zu machen. Dass paradoxer Weise genau jene politischen Kräfte mit der Sanierung beauftragt werden (Nea Demokratie und PASOK), die das Land über Jahrzehnte in diese missliche Situation geführt haben, ist unerfreulich. In der Privatwirtschaft wäre so etwas undenkbar. Kein Unternehmenseigentümer würde ein Management, welches seine Firma in die Insolvenz geführt hat, mit der Sanierung derselben beauftragen. In der Politik scheint leider alles möglich zu sein. Wir werden im großen Amphitheater der Geschichte mitverfolgen, wie sich die griechische Tragödie weiter entwickelt.

Für Zakynthos haben die sonntäglichen Wahlen jedenfalls doch eine aus meiner Sicht erfreuliche Neuerung gebracht. Siegte bei den Wahlen im Mai noch die Nea Demokratia mit ihrem Spitzenkandidaten, dem alten Nomarchen ("Insellandeshauptmann") Gasparos, so konnte nun das aufstrebende Linksbündnis SYRIZA den Erfolg davontragen und wird einer ihrer Abgeordneten nun die Interessen von Zakynthos im griechischen Parlament vertreten. Begrüßenswert ist diese Entwicklung deswegen, da Gasparos in seiner 12-jährigen Amtszeit als Inseloberhaupt (nunmehr ist seit Abschaffung der Normarchien in Griechenland der Bürgermeister von Zakynthos-Stadt auch Inselchef) nicht nur kaum etwas voran gebracht sondern auch in eine Fülle von Skandalen involviert war. Diese alte Politdinosaurierkaste ist - zumindest für Zakynthos - nunmehr endgültig weg vom Fenster. Welchen Weg die neuen politischen Kräfte gehen und ob sie zu einer Erneuerung der alten Parteien beitragen werden, bleibt abzuwarten.

In der SOAK herrscht abseits dieser turbulenten Ereignisse Normalbetrieb im Idealzustand. Alle Kurse laufen hervorragend und die Teilnehmer/innen sind glücklich, ihren Urlaub in diesem idyllischen Winkel verbringen zu können. Ab morgen stehen großartige neue Aktivitäten auf dem Programm. Bodypainting-Weltmeisterin Birgit Linke wird mit ihrer Gruppe ab morgen faszinierende menschliche Kunstwerke erschaffen, die sicher umgehend von der Foto-Gruppe rund um Top-Fotografin Petra Benovsky in spektakulären Bildern festgehalten werden. Der Biologe und Griechenland-Kenner Uwe Passauer wird mit seinen Teilnehmer/innen durch die griechische Landschaft ziehen und ihnen pure Lust auf die Natur in all ihrer Vielfalt machen. Dass danach ein Festmahl mit frischen wilden Kräutern und sonstigem Sammlungsallerlei kreiert und gemeinsam verzehrt wird, darf angenommen werden. Schließlich werden die Spitzenmusiker Valerie & Lukas Hillebrand nicht nur für eine Fülle von Inspirationen für neue Songs liefern sondern sicherlich auch für das eine oder andere spontane Konzert im Coffee-House, der Logos-Bar oder im Altius-Club einchecken.

Und nicht vergessen: bereits am 26. Juni erscheint im PROFIL-Extra eine umfangreiche Story über die SOAK und ihr Umfeld!

Samstag, 16. Juni 2012

Fremde Freunde

Ein lesenswertes Interview von orf.at mit dem in Wien lehrenden, griechisch-stämmigen Südosteuropa-Experten Adamantios Skordos und zugleich ein Beitrag zum besseren Verständnis der Ist-Situation:


Fremde Freunde

Wenn Griechenland am Sonntag erneut an die Urnen schreitet, dann sieht sich Europa mit neuen stärker werdenden griechischen Parteien konfrontiert, deren Handlungen schwer abschätzbar sind. Doch nicht nur die griechische Politik, auch die Haltungen der griechischen Öffentlichkeit, etwa die Vehemenz, mit der man in Griechenland immer noch das Thema Makedonien zu debattieren vermag, befremden Europa.
Der in Österreich geborene und seit kurzem an der Universität Wien lehrende Südosteuropa-Experte Adamantios Skordos setzt sich seit längerem mit den kollektiven Vorstellungen seiner Heimat auseinander und hat erst vor kurzem ein viel beachtetes Buch zur Makedonien-Frage vorgelegt. Skordos zeigt dabei auch, wie politische Haltungen der Gegenwart auf einer sehr langen politischen Tradition und einem sehr lange entwickelten Freund-Feind-Schema entspringen.

Kaum Appelle an die Eigenverantwortung

Entsprechende Muster sieht er auch in der momentanen Wirtschaftskrise am Wirken, wie wohl diese Krise, wie er im Interview mit ORF.at erläutert, für ihn mehr noch als ein wirtschaftliches Problem ein politisches, gesellschaftliches und soziales Problem ist, bei dem gerade auch die griechischen Medien mit ihrem Hang zum Populismus eine alles andere als vorteilhafte Rolle spielten. Die griechischen Medien, so Skordos, würden selten an die Verantwortung des Einzelnen erinnern.
In Griechenland, so Skordos, habe in den letzten Jahrzehnten ein Egoismus stark Platz gegriffen. „Der Prozess, dass man sein persönliches Wohl mit dem der Allgemeinheit in Verbindung brachte, hat tatsächlich gefehlt. Es gibt ein interessantes Phänomen hinter dem griechischen Patriotismus: Man liebt die Nation, aber hasst den Staat.“ Aus dieser Einstellung heraus habe man auch das Zahlen von Steuern als keine gute Investition verstanden.
Adamantios Skordos Im Interview mit ORF.at-Chefredakteur Gerald HeideggerORF.at/Carina Kainz„Es gibt ein interessantes Phänomen hinter dem griechischen Patriotismus: Man liebt die Nation, aber hasst den Staat.“

Angespannte Drähte: Griechenland und Europa

Dass Griechenland und Europa derzeit einen alles andere als guten Gesprächs- und Verständnisdraht haben, hat für Skordos eine Reihe von Gründen. „Die deutsche Art der Argumentation mit dem erhobenen Zeigefinger“ komme im Moment in Griechenland nicht gut an, weil sich die Griechen immer auch an die Vergangenheit erinnert fühlten. Aus der Krise werde man nur kommen, wenn man Griechenland auch Zeit gebe, entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Einen Knackpunkt für die Entfremdung von Griechenland und Europa sieht Skordos in den Ereignissen nach 1989 begründet.
„Griechenland hatte damals extreme Schwierigkeiten, sich neu zu positionieren. Während sich die Ereignisse rapide entwickelten, hatte Griechenland Probleme, sich wiederzufinden“, erläutert Skordos. Das gelte gerade auch für das Verhältnis von Griechenland und der EU: „Früher war man eine Hochburg des Westens in einem kommunistischen Südosteuropa. Man musste feststellen, dass man nicht mehr das einzige Liebkind der Amerikaner in der Region war und verstand die EU nicht mehr, weil sich ein Gros der EU für die Desintegration Jugoslawiens einsetzte.“
Die EU habe Griechenland in dieser Zeit nicht verstanden, etwa wegen der Makedonien-Frage. Und man habe auch nicht nachvollziehen können, warum man immer wieder bei Entscheidungen von Griechenland erpresst wurde: „Die EU war von Griechenland überfordert, so wie man in der EU heute mit Griechenland und der griechischen Elite überfordert ist.“

Gefühlte Fremdbestimmung

In griechische Haltungen der Gegenwart spielt aber auch immer wieder das Moment gefühlter Fremdbestimmung hinein, für das es für den Historiker auch eine längere Traditionslinie gibt. Die erste Intervention von außen aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten hat das unabhängige Griechenland 1832 kennengelernt, als ein Kredit der europäischen Mächte nur in Verbindung mit der Errichtung eines Königtums unter einem bayrischen Wittelsbacher Prinzen zu erhalten war.
„Fremdbestimmung war immer ein Thema, sowohl im 19. als auch im 20. Jahrhundert“, so Skordos, der daran erinnert, dass die ersten Parteien, die in Griechenland gegründet wurden, „ja die englische, die französische oder die russische Partei“ heißen, „weil man nach außen hin ausgerichtet war und dachte, man müsse unter dem Schutz einer dieser Nationen stehen“.
„Die Entscheidung, einen Prinzen aus Bayern als König zu ernennen, war ja eine Kompromisslösung der Schutzmächte, die ja eine wichtige Rolle bei der sogenannten Befreiung der Griechen hatten. Das ist die erste Phase der Fremdbestimmung in Griechenland. Fremdbestimmung als Trauma ist aber sehr eng mit den Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Bürgerkrieg danach verbunden“, so der Historiker, der auch im Anti-Amerikanismus nach 1950 im linken Lager eine fortgesetzte Tradition des Fremdbestimmungsdenkens sieht.
Letztlich würden in Griechenland immer wieder die Medien genau dieses Muster bedienen und die eigene Verantwortung auf äußere Faktoren projizieren.

Neue Parteien und alte Eigenschaften

Populistische Phänomene wie SYRIZA sieht der Historiker als neuen Wein in alten Schläuchen: „Alexis Tsipras erinnert sehr an Andreas Papandreou in den 1980er Jahren, der auch allen alles versprochen hatte. Er gibt im Moment keinerlei plausible Antworten zu den Problemen. Es ist kein Zufall, dass sich viele PASOK-Anhänger in SYRIZA wiederfinden.“
Das Verhältnis des Griechen zu seiner Partei beschreibt Skordos als eines, in dem vor allem persönliche Eigeninteressen, egal in welchem politischen Lager man sich gerne sah, die entscheiden Rolle spielten: „Ab dem Moment, wo eine Partei nicht mehr dieses Wunschdenken der Bevölkerung bedienen konnte, kann man feststellen, wie rasch eine große zu einer kleinen Partei werden kann.“ Und Parteien wie die sozialistische PASOK hätten mit „Ernüchterung“ feststellen müssen, wie wenig die Wähler in Griechenland ideologisch gebunden waren.

Der erhobene Zeigefinger hilft nicht

Im Verhältnis von Europa und Griechenland sieht Skordos momentan kein Land als besonders privilegierten Partner, um gegenseitige Missverständnisse leichter auszuräumen. Allerdings, so der Historiker: „Die Maßnahmen, die von Griechenland verlangt werden, brauchen vor allem Zeit. Und das wird im Moment viel zu wenig gesehen.“ Der erhobene Zeigefinger von außen helfe im Moment am allerwenigsten, so der Befund des in Wien lehrenden Griechen.

Freitag, 15. Juni 2012

Griechenland vor der Wahl

Alle Griech/inn/en (und wohl auch der Rest Europas) blicken gespannt auf den kommenden Sonntag, an dem die neuerlichen Parlamentswahlen stattfinden. Hoffentlich bringen sie dem arg gebeutelten Hellas und seinen Menschen eine einigermaßen stabile Regierung, welche die (in allen Bereichen) dringend erforderliche Konsolidierung des Landes vorantreiben kann.


Ich möchte euch einen Beitrag, der unlängst von einer langjährigen Zakynthos-Kennerin im SOAK-Forum gepostet wurde und der die Situation im Mikrokosmos Zakynthos sehr ausgewogen und ehrlich beschreibt, nicht vorenthalten. Sabine ist auf der anderen Seite des Golfes von Laganas, in Keri, zu Hause. Hier ihre Sicht der Dinge:


"Also die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung ist zurückhaltend, frustriert, vor allem dass die Schuldigen an der Krise nicht zur Verantwortung gezogen wurden. Es wird ausgeharrt, Teile der Bevölkerung wissen vor der Wahl nicht, wem sie noch vertrauen sollen, wem sie glauben sollen. 

Allgemein auf Zakynthos ist uns sofort aufgefallen, dass es viel sauberer - auch am Rand der Straßen - geworden ist, sowie es auch Wolfgang Löhnert im ORF in der Fernsehdebatte „Im Zentrum“ vor. ca. 4 Wochen berichtet hatte. Dieses gilt aber nicht nur für die Straßen Richtung Jerakas, sondern auch in den Orten Limni Keriou bzw. Laganas. Auch wurden die Strände gesäubert bzw. mittlerweile in der Früh der Mist vom Strand aufgesammelt. Was uns nur etwas verwunderte, wir besuchten auch die Bucht von Daphni, plauderten mit den uns bekannten Einheimischen bzw. Tavernenbesitzern: diese ärgerten sich eigentlich über „diese unnötige Geldverschwendung“, dass jetzt sozusagen einmal am Tag auf den Straßen ein Putztrupp durchgeht, wo doch Griechenland eh kein Geld hat. Es ist offensichtlich noch nicht ganz durchgedrungen, dass sich Touristen erfreuen, wenn kein Mist herumliegt. Ein Fortschritt auf jeden Fall von dem zuständigen Politiker. Ebenfalls in Zakynthos Stadt beobachteten wir einige Putztrupps die untertags auf den Haupteinkaufstraßen und am Markusplatz durchgingen. Ein weiteres Beispiel für eine positive Veränderung am Flughafen, er wirkte nicht nur sauberer, auch die Durchführung von Landungen und Starts, das Ein- und Aussteigen, der Bustransfer vom Flugfeld zum Gebäude, verlief sehr reibungslos und flott. Eine ungewöhnliche Erkenntnis, welches mir die letzten Jahre noch nicht aufgefallen ist. 

Grundsätzlich wurde auf Zakynthos auch vor einem Jahr eine Grundstücksregistrierung per Flugzeug aus, durchgeführt, welche alle Grundstücke, Häuser, Pools, usw. erfasste. Natürlich muss jeder jetzt etwas mehr zahlen, aber auch die Großbesitzer die ein 50 m² Haus angegeben haben, allerdings in Wahrheit ein großes Hotel mit unzähligen Zimmer und Pool betreiben. Unsere griechischen Freunde sehen das eigentlich recht positiv, dass jetzt nach dieser Neuvermessung „alle“ zahlen müssen und nicht nur wieder die „kleinen“ Leute. An sonst herrscht bittere Arbeitslosigkeit auf der Insel. Unsere griechischen Freunde, egal ob von unserem Bergdorf Keri oder auch von Katastari hoffen natürlich, dass auch ihre Jugend, aber auch die altersmäßige Mittelklasse zwischen 40 und 50 Jahren einen Job bekommt. Als Beispiel versucht unsere Freundin aus der Gegend Katastari einen Job im Tourismusbereich (Service, Küche…) oder sonst etwas zu bekommen. Leider wurde sie bis jetzt nicht genommen, da Albaner, Rumänen, Bulgaren (die alle samt eine gültige Arbeitsgenehmigung vom Staat besitzen) günstiger zu haben sind. Allerdings sollte man schon auch zusätzlich erwähnen, dass in guten Zeiten sich fast jeder griechische Tavernenbesitzer oder auch nur Zimmervermieter immer eine billige Arbeitskraft genommen hat, um lieber selber gemütlich zu sitzen oder mit den Gästen zu plaudern. Mittlerweile sind Albaner, Rumänen oder Bulgaren aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken, haben sich eingelebt und arbeiten und leisten vieles. 

Vor allem leben die Griechen vom Tourismus und es sollte die Jugend gefördert werden, um neuen Herausforderungen dieser Branche entgegentreten zu können. So wäre es sicher sehr zu begrüßen, wenn Tourismusschulen oder ähnliche Projekte auf Zakynthos oder anderen Insel geschaffen werden, wo der heutigen Jugend nicht nur Servieren, Kochen usw. beigebracht wird, sondern dazu auch noch die damit zusammenhängende Gebiete wie Betriebswirtschaft, Buchhaltung und vieles vieles mehr. Dazu vielleicht noch viele andere förderliche Aufgabenkreise und Konzepte (Mülltrennung und Verwertung usw.), die in den nächsten Jahrzehnten von Nutzen sein werden. 

Im Moment, kann man nicht sagen, dass es einen Tourismuseinbruch um 30 % gibt, wir sind alle Jahre um die gleiche Zeit in Limni und heuer war es zum ersten Mal, dass der Strand doch recht voll war. Allerdings waren auch viele russische und tschechische Gäste da. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob abends dann auch in den Tavernen essen gegangen wird. 
Die griechischen Tavernenbesitzer kommen auch wieder zu ihren alten Wurzeln zurück, man bekommt jetzt fast in jeder Taverne noch einen Ouzo, Wein oder Obst als Draufgabe dazu. 

Dieses kranke „korrupte“ System hat sich über Jahrzehnte aufgebaut und das Volk hat einen Weg gefunden mit diesem System zu leben. Über Jahrzehnte waren die verschiedensten Parteien auf Stimmenfang aus und stellten danach ihre stimmgetreuen „Mitarbeiter“ in allen nur denkbaren Funktionen ein. Auf jeden Fall, auch wenn es zum schlimmsten Szenario kommt, und Griechenland verliert den Euro, sind die Griechen es immer wert besucht zu werden. Das griechische Volk hat durchaus Mitschuld an ihrer Finanzkrise, aber leider wurden „die ca. 30 % Reichen“ nie wirklich zur Kassa gebeten. Allen anderen ist sehr wohl bewusst, dass sich was ändern muss – was bleibt ist zumindest die Hoffnung und die stirbt zuletzt. 

Griechenland - natürlich Zakynthos besonders - ist immer eine Reise wert, allein wegen der Gastfreundschaft, Geselligkeit, dem sauberen Meer und vielem, vielem mehr."

Liebe Grüße aus Wien und Jasas 
Sabine

Dienstag, 12. Juni 2012

Tödlicher Base-Jump in der Schmugglerwrack-Bucht

Offensichtlich von dem letztjährigen internationalen Basejumping-Event inspiriert, konnte heute ein 42-jähriger englischer Base-Jumper nicht dem "Kick" widerstehen, aus über 200m Höhe in die spektakuläre Schmugglerwrack-Bucht im Nordwesten der Insel zu springen. Der ohne jegliche Begleitung und Betreuung agierende Brite wählte dabei offensichtlich nicht den optimalen Sprungplatz. Er wurde vermutlich durch ungünstige Winde direkt auf die Steilwand geschleudert, wo sich sein Fallschirm verhedderte und ihn noch fast 3 Stunden lang lebend in der Wand hängen ließ. Leider stürzte der Mann dann noch vor dem Eintreffen von Rettungsmannschaften, die ihn mit dem auf Zakynthos vorhandenen Equipment gar nicht so einfach aus einer derartigen Situation hätten befreien können, ab und verstarb noch an der Unfallstellle. Besonders tragisch ist, dass seine ebenfalls auf Zakynthos weilende Lebensgefährtin hochschwanger ist. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich derartige Vorfälle nicht wiederholen und sich auch die Inselverantwortlichen darüber Gedanken machen, wie sie die nunmehr in Basejumper-Kreisen sehr attraktive Location besser absichern.

Montag, 11. Juni 2012

Im Ouzo-Reich

Während heute Abend bereits die zweite SOAK-Vernissage im stimmungsvollen Ambiente des alten Bauernhofes über die Bühne geht, freut sich ein von allen geliebter Bewohner dieses heimeligen Platzes ganz besonders. Unser Grauohr (oder besser: Weißohr) Ouzo fühlt sich nunmehr in seinem luxuriösen Gehege wie neu geboren. Als ihn sein Ex-Herrchen Andreas vor drei Wochen wieder aus dem Winterquartier brachte, erschraken wir zunächst. Abgemagert bis auf die Knochen mit einer böse aussehenden Wunde am Nacken, sah uns Ouzo aus ganz traurigen Augen an und verweigerte nahezu jede Nahrungsaufnahme. Wir riefen sofort unsere Freundin Marion, eine österreichische Tierärztin, die auf Zakynthos Amtstierärztin ist, an und baten sie um einen raschen Besuch. Es schwante uns Schlimmes. Doch Marion hatte gleich die Ursache für Ouzo´s Unwohlsein gefunden. Altersbedingt hatte sich nämlich die Knochensubstanz seiner Backenzähne vermindert und diese zu spitzen Erhebungen gemacht, die beim Kauen die Zunge schmerzhaft traktierten. Daher fraß der Arme nur das Notwendigste. Mit einer martialisch anmutenden - einen halben Meter langen - Metallraspel beseitigte Marion jedoch rasch, sachkundig und für Ouzo vollkommen schmerzlos das Wurzel allen Übels. Und mit Wilhelm Busch kann man nun sagen: "Viele Tage war der Ouzo krank, jetzt frisst er wieder, Gott sei Dank!". Dann wurde sogleich ein weiteres Übel, nämlich die seit ewiger Zeit praktizierte Anbindung des Maultieres an einen Baum, beseitigt. Bledi und sein geschicktes Team fertigten rasch ein großes Geviert rund um einen Schatten spendenden Olivenbaum, wo sich Ouzo jetzt ohne Halfter bewegen kann, wie es ihm gefällt. Ein völlig neues Lebensgefühl, das zusätzlich Appetit anregend wirkt. Natürlich wird er nun auch wieder von seiner sommerakademischen Familie mit viel Gemüse und altem Brot aufgepäppelt und freut sich schon ganz besonders auf seine kleinen Freund/inn/e/n, die ihn schon in wenigen Wochen besuchen werden.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Von alten venezianischen Reiterspielen, eseliger Mundhygiene, Filmdrehs & glücklichen SOAKies

Von einem mehr als dichten Programm waren die vergangenen drei Tage auf der Insel ausgefüllt. Und damit sind nicht nur die derzeit laufenden 14 Kursaktivitäten gemeint. Eine gelungenere erste sommerakademische Woche hätten wir uns nicht wünschen kommen. Ob am alten Bauernhof, im Amphitheater mit Blick auf das türkisblaue Meer oder im nahe gelegenen Pavillon mit seinen bunten, sich im sanften Wind aufbauschenden bunten Vorhängen - es wurde gemalt, der Schreiblust gefrönt, Theater gespielt, unter dem Maulbeerbaum gesungen oder im goldenen Licht der untergehenden Sonne Hasaposervikos getanzt. Rundum angenehm große Gruppen mit interessierten und hoch kreativen TeilnehmerInnen. Kaum eine/r konnte sich der Faszination der arkadisch inspirierenden & naturbelassenen Landschaften entziehen. Diese strahlen durch den rückläufigen Tourismus in Griechenland eine noch intensivere Ruhe und unbeschreibliche Schönheit aus. Eine Teilnehmerin sagte mir: "Ich bin mir nicht sicher, ob ich zu Hause erzählen soll, wie schön es bei euch auf Zakynthos ist oder ob ich meine Freunde unter dem Vorwand der Krise davon abhalten soll, hier her zu kommen - denn eine so beseelende Atmosphäre und Ruhe, einen solchen Geheimtipp, möchte ich fast für mich behalten". Nun, wie immer man/frau dies sieht - die Menschen auf Zakynthos sind besonders in Zeiten wie diesen auf den Tourismus angewiesen. Die fruchtbare Erde und eine funktionierende Landwirtschaft werden sie zwar nie verhungern lassen, aber es wäre schade, falls es in Zukunft noch mehr an Mitteln fehlte, um die allgemeine Infrastruktur, die auch dem Tourismus dient, zu erhalten und sinnvoll auszubauen. Die Insel besinnt sich auch wieder auf ihre alten geschichtlichen Traditionen, insbesondere ihrer venezianischen Epoche. So wird nunmehr zwei Mal im Jahr neben einer großartigen venezianischen Faschingstradition die "Giostra", ein Reiter-Geschicklichkeitsspiel auf dem Solomos-Platz vor dem Byzantinischen Museum aufgeführt. Von Freitag bis Sonntag erlebte die Stadt ein buntes mittelalterliches Spektakel, zu dem auch Giostra-Teams aus Italien und Kroatien mit ihren Pferden anreisten, um sich mit den zakynthischen Reitern in der Geschicklichkeit, kleine Ringe in vollem Galopp mit einer Lanze von einem Galgen zu picken, zu messen. Das Programm wird immer umfangreicher und lockt dadurch auch viele Besucher aus dem nahen Peloponnes an. Ich habe kurzfristig überlegt, mit unserem Maultier Ouzo an der Giostra teilzunehmen, jedoch meinten meine Freunde, dass sich ein verbogener Rechen in Ermangelung einer Lanze doch nicht so gut machen und ich eher für einen schlechten Sancho Pansa - Verschnitt gehalten würde. Ouzo sieht derzeit zudem eher wie die klapprige Rosinante aus, da sich während des Winters seine Backenzähne altersbedingt zugespitzt und ihm derart das Fressen verleidet haben. Dieses Problem wurde aber nunmehr von einer auf Zakynthos lebenden österreichischen Tierärztin behoben. Seitdem frißt uns das Grauohr wieder arm. Ouzo und das sommerakademische Geschehen waren auch Motive für ein Filmteam von G.E.U.S. - TV, das derzeit im Auftrag von ORF 3 eine Zakynthos-Dokumentation dreht. Diese wird ab Anfang Juli - der genaue Termin wird noch mit Newsletter bekannt gegeben - mehrmals gesendet. Darin sind dann auch das Giostra-Spektakel und eindrucksvolle Bilder von der "Blume der Levante" mit ihren kreativen Gästen zu sehen.