Donnerstag, 28. Juni 2012

Natur pur

Darf's ein bisserl Mönchspfeffer vom "Keuschen Lamm-Strauch" sein? Oder vielleicht eine bekömmliche Mischung aus wildem Thymian, Bergsalbei und sideritis syriaca (syrisches Gliedkraut) für alle Bronco-Saurier? Uwe Passauer ist in seinem Element. Und der Tisch vor ihm mit pflanzlichen Anschauungsmaterial voll belegt. Wenn man Jahrzehnte Sammlungsleiter im Naturhistorischen Museum Wien war und einer der Pilzpäbste des Landes ist, gibt es Einiges zu erzählen. Gewürzt mit wunderbaren Geschichten aus der griechischen Antike und einer feinen Prise Humor. Schon mal was vom Asphodelus gehört? Schon Homer erzählte von Wiesen mit hohen, weißgrauen Halmen, die im Sommer wie abgedörrtes Getreide aussehen. Für den alten Erzähler waren dies die aus dem Hades zurück gekehrten griechischen Recken des Trojanischen Krieges. Die zur Familie der Grasbaumgewächse zählende Pflanze geht im Sommer in Schonbetrieb und entwickelt erst wieder im Herbst wunderschöne weiße Blüten. Neben allerlei lieblichen Gewächsen hält die Natur auf Zante aber auch Allerlei auf Lager, dem man/frau sich mit Respekt nähern sollte. Etwa die riesengroße rote Meerzwiebel (urginea maritima), die in der Antike sowohl als beliebtes Heilmittel und Schutzpflanze neben der Haustüre aber auch als hocheffektives Rattengift verwendet wurde. Ihr Saft ist ziemlich ätzend, was selbst der erfahrene Biologe Uwe unvermittelt zu spüren bekam, als er eine kleinere Zwiebel zu Demonstrationszwecken von der größeren Mutterzwiebel löste. Autsch! Also bitte nur mit Handschutz angreifen! So hingen wir Amateur-Biologen heute denn zwei Stunden lang an Uwe's Lippen, schnupperten uns an Jasmin und Zitronenblättern die zarten Nasen wund und können schon kaum unsere morgige erste kleine Exkursion erwarten. Und die Taschenlupe mit der Zehnfachvergrößerung steckt schon in meiner Hosentasche, um die "Fior di Levante" ausgiebigst zu bestimmen.
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