Mittwoch, 6. Juni 2012

Von alten venezianischen Reiterspielen, eseliger Mundhygiene, Filmdrehs & glücklichen SOAKies

Von einem mehr als dichten Programm waren die vergangenen drei Tage auf der Insel ausgefüllt. Und damit sind nicht nur die derzeit laufenden 14 Kursaktivitäten gemeint. Eine gelungenere erste sommerakademische Woche hätten wir uns nicht wünschen kommen. Ob am alten Bauernhof, im Amphitheater mit Blick auf das türkisblaue Meer oder im nahe gelegenen Pavillon mit seinen bunten, sich im sanften Wind aufbauschenden bunten Vorhängen - es wurde gemalt, der Schreiblust gefrönt, Theater gespielt, unter dem Maulbeerbaum gesungen oder im goldenen Licht der untergehenden Sonne Hasaposervikos getanzt. Rundum angenehm große Gruppen mit interessierten und hoch kreativen TeilnehmerInnen. Kaum eine/r konnte sich der Faszination der arkadisch inspirierenden & naturbelassenen Landschaften entziehen. Diese strahlen durch den rückläufigen Tourismus in Griechenland eine noch intensivere Ruhe und unbeschreibliche Schönheit aus. Eine Teilnehmerin sagte mir: "Ich bin mir nicht sicher, ob ich zu Hause erzählen soll, wie schön es bei euch auf Zakynthos ist oder ob ich meine Freunde unter dem Vorwand der Krise davon abhalten soll, hier her zu kommen - denn eine so beseelende Atmosphäre und Ruhe, einen solchen Geheimtipp, möchte ich fast für mich behalten". Nun, wie immer man/frau dies sieht - die Menschen auf Zakynthos sind besonders in Zeiten wie diesen auf den Tourismus angewiesen. Die fruchtbare Erde und eine funktionierende Landwirtschaft werden sie zwar nie verhungern lassen, aber es wäre schade, falls es in Zukunft noch mehr an Mitteln fehlte, um die allgemeine Infrastruktur, die auch dem Tourismus dient, zu erhalten und sinnvoll auszubauen. Die Insel besinnt sich auch wieder auf ihre alten geschichtlichen Traditionen, insbesondere ihrer venezianischen Epoche. So wird nunmehr zwei Mal im Jahr neben einer großartigen venezianischen Faschingstradition die "Giostra", ein Reiter-Geschicklichkeitsspiel auf dem Solomos-Platz vor dem Byzantinischen Museum aufgeführt. Von Freitag bis Sonntag erlebte die Stadt ein buntes mittelalterliches Spektakel, zu dem auch Giostra-Teams aus Italien und Kroatien mit ihren Pferden anreisten, um sich mit den zakynthischen Reitern in der Geschicklichkeit, kleine Ringe in vollem Galopp mit einer Lanze von einem Galgen zu picken, zu messen. Das Programm wird immer umfangreicher und lockt dadurch auch viele Besucher aus dem nahen Peloponnes an. Ich habe kurzfristig überlegt, mit unserem Maultier Ouzo an der Giostra teilzunehmen, jedoch meinten meine Freunde, dass sich ein verbogener Rechen in Ermangelung einer Lanze doch nicht so gut machen und ich eher für einen schlechten Sancho Pansa - Verschnitt gehalten würde. Ouzo sieht derzeit zudem eher wie die klapprige Rosinante aus, da sich während des Winters seine Backenzähne altersbedingt zugespitzt und ihm derart das Fressen verleidet haben. Dieses Problem wurde aber nunmehr von einer auf Zakynthos lebenden österreichischen Tierärztin behoben. Seitdem frißt uns das Grauohr wieder arm. Ouzo und das sommerakademische Geschehen waren auch Motive für ein Filmteam von G.E.U.S. - TV, das derzeit im Auftrag von ORF 3 eine Zakynthos-Dokumentation dreht. Diese wird ab Anfang Juli - der genaue Termin wird noch mit Newsletter bekannt gegeben - mehrmals gesendet. Darin sind dann auch das Giostra-Spektakel und eindrucksvolle Bilder von der "Blume der Levante" mit ihren kreativen Gästen zu sehen.
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