Mittwoch, 11. Juli 2012

Die internationale Olivenöl-Pantscherei und Frauen-Power aus Kiliomeno

Zakynthos ist eine Insel, die neben dem Tourismus vorallem von der Landwirtschaft lebt. Die fruchtbare Erde, das milde Klima und ausgiebige Regenfälle in den Wintermonaten lassen so ziemlich alles Pflanzliche gedeihen. Unvorstellbare 1,8 Millionen Olivenbäume liefern beispielsweise mit ihren überwiegend Koroneiki-Oliven den Rohstoff für eine der besten Olivenölqualitäten weltweit. Bloß ist zakynthisches Olivenöl in keinem österreichischen Supermarktregal zu finden. Weshalb? Weil der Löwenanteil der hochwertigen Produktion für lächerlich wenig Geld vorwiegend Großabnehmer in Italien findet, die dieses kostbare, in wunderschönen Grüngold-Tönen schimmernde und fantastisch schmeckende Naturprodukt zum Gewinn bringenden Verschneiden mit minderwertigen Ölen benötigen. Richtig gehört? Leider ja - und das funktioniert so: Nach dem zentrifugalen Pressen des zuvor gemahlenen und gekneteten Olivenbreis verbleibt ein Presskuchen, der noch immer 3-6% Ölanteil enthält. Dieser kann jedoch nur mehr mit chemischen Lösungsmitteln und komplizierten Filtermethoden gewonnen werden. Das derart entstehende Raffinat ist geruch- und farblos und dürfte als sogenanntes "Lampantöl" nicht in Verkehr gebracht werden. Außer wenn es zumindest mit 15% hochwertigem Öl als Farb- Geruchs- und Geschmacksträger verschnitten wird. Und voilá! Fertig ist das "Italienische Olivenöl", dass uns Konsumenten sodann preisgünstig um € 2,90 die Flasche zum Kauf angeboten wird. Reiner Konsumentenbetrug, aber mit EU-Normen, die von der Nahrungsmittelindustrie diktiert werden, abgesichert. Es sollte daher nie ein lediglich als nur "Olivenöl" gekennzeichnetes Produkt gekauft werden, da es sich dabei fast immer um Verschnitte mit Rückstandsöl oder Haselnussöl und dgl. handelt. Für bessere Qualität und Zuverlässigkeit sorgt hingegen der Zusatz "Extra Vergine" (der nur bei Reinheit verwendet werden darf, aber auch Vermischungen mit verschiedenen Olivenölen unterschiedlicher Qualität ermöglicht) und noch besser eine ausdrücklich angegebene Herkunft. Derartige hochwertige Öle sind normalerweise in Supermärkten kaum unter € 14.- pro Liter (!) zu erhalten. Der zakynthische Olivenölbauer sah heuer davon nur € 1,80.- pro Liter sowie eine EU-Stützung von € 1.- pro Liter. So schaut's aus. Alleine die Produktionskosten von hochwertigem Öl betragen zwischen € 6.- bis € 8.-. Dem Bauer bleibt daher nur die Wahl, entweder Ölsklave für Großkonzerne, die den Markt fest im Griff haben, zu sein oder den Weg des schwierigen Direktmarketings zu gehen, für das aber unvorstellbare und kostspielige bürokratische Hürden zu durchlaufen sind. In dem kleinen zakynthischen Bergdorf Kiliomeno, das für seine hervorragenden Produkte Insel weit bekannt ist, will eine Gruppe von engagierten Frauen nicht mehr bei diesem bösen Spiel mitmachen. Sie haben sich in einer Kooperative zusammengeschlossen, die mittlerweile mehr als 40 köstliche Produkte aus der hervorragendenm - zumeist biologischen - Landwirtschaft produziert und in liebevoller Aufmachung direkt vermarktet. Von köstlichen Kräutern, Tees, Salben, Rosinen, Brot, Süßspeisen, Meersalz, Weinen, Likören, Seifen, diversen Käsen, Marmeladen, kandierten Früchten bis hin zum - "Extra Vergine Olivenöl", von dem die Konsumenten genau wissen, aus welcher Region und von welchen Bäumen die Oliven gewonnen werden. Auch in Vasilikos hat sich der Jungunternehmer und Spross eines alten Adelgeschlechts, Dionisis Logothetis erfolgreich auf den Weg zur biologischen Olivenölproduktion gemacht. Erst wenn man/frau die originalen Öle der Insel verkostet hat, ist erkennbar, welche himmelhohen Qualitätsunterschiede bestehen, die auch einen höheren Preis mehr als rechtfertigen. Einige dieser Öle werden mittlerweile schon online und bequem via Internet bestellbar angeboten. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, der vollste Unterstützung - die man zudem auch noch herrlich genießen kann - verdient. Kali orexi mit zakynthischen Produkten.
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