Freitag, 24. August 2012

Hausgemachte Feuersbrünste

Die sommerliche Hitze hat in den südeuropäischen Ländern wieder zu ausgedehnten Waldbränden geführt. Auch Zakynthos ist, nebst vielen anderen Plätzen in Griechenland, davon betroffen. Touristische Orte, so auch Vasilikos, sind von diesen Ereignissen jedoch unberührt. Vielmehr wurden große Teile des westlichen Berglandes (Vrachiona) zwischen den Orten Kiliomeno, Agios Leon, Exo Chora, Anafonitria und Volimes ein Raub der Flammen. Doch sind wirklich die hohen Temperaturen schuld an dieser Katastrophe? Keineswegs. Die Hauptursache von solchen Naturverstümmelungen ist wieder einmal der Mensch. Schon wenige Gespräche mit befreundeten Griechen bringen zu Tage, dass Brandlegung an der Tagesordnung ist. Immer wenn sich die Temperaturen der magischen 40 Grad-Grenze nähern UND stärkerer Wind herrscht, lodert das Feuer. Ohne Wind keine Flammen. Die Sache hat also System. Weshalb bloß, fragt sich der ratlose und ob soviel Dummheit entsetzte Mitteleuropäer. Einer der Gründe sind Grundstücksstreitigkeiten und der Versuch von Flächenwidmungsänderungen. Griechenland besitzt weitgehend kein für Österreich seit Jahrzehnten selbstverständliches Grundbuch (Ktimatologio). Es besteht kein befriedigendes Katasterwesen. Besonders auf Zakynthos, wo durch das schwere Erdbeben 1953 nahezu alle Aufzeichnungen verloren gingen, herrscht in einigen Gebieten noch immer heilloses grundbücherliches Durcheinander. Wo keine klar ausgewiesenen Grenzen bestehen, versuchen die Menschen mit der Hilfe von drei Zeugen den alten Besitzstand zu beweisen. Zeugenkauf inklusive. Am Land wird zudem bei großen Arealen mal da, mal dort dem Nachbarn etwas abgezwackt, was wiederum zu Unfrieden führt. Geschützte Waldflächen werden gerne mit Feuer gerodet, um Jahre später mit Hilfe der allerorts grassierenden Korruption in Bauland umgewidmet werden zu können. Brandleger geraten so gut wie nie in polizeiliches Gewahrsam oder werden gar verurteilt. In den Bergen und am Land herrscht die "Omerta", das Schweigen. Die Sachen pflegen hier untereinander geregelt zu werden. Das Opfer dieses unverantwortlichen Handelns ist die herrliche Natur. Während sich Macchia und Buschland in spätestens zwei bis drei Jahren vollständig erholen (die Brandasche ist dabei ein wertvoller Dünger), bleiben verbrannte Olivenbäume, Steineichen und Kieferbäume Jahre lang wie trostlose Riesenzahnstocher in einer apokalyptischen Landschaft stehen. Solange nicht konsequent schwere Strafen für derartige "Kavaliersdelikte" verhängt werden, wird sich leider auch in der Zukunft nichts an diesen Zuständen ändern. Gott sei Dank gehen in Vasilikos in dieser Beziehung die Uhren etwas anders. Die Besitzstände sind weitest gehend geklärt und private Brandwachen sorgen in der Sommersaison dafür, dass sich die touristischen Gäste und die prachtvolle Natur gedeihlich miteinander entfalten können.

Montag, 20. August 2012

Theaterfest in der SOAK


Viele für unsere moderne Zivilisation grundlegende Errungenschaften stammen aus der antiken griechischen Kultur. So auch das Theater. Noch heute kann man in Epidaurus am Peloponnes erleben, wie vor über zweitausend Jahren Theater gespielt wurde und die Schauspieler mit ihrer unverwechselbaren Gestik, Deklamation und insbesondere mit ihren Masken die Zuschauer mit grundlegenden Themen der menschlichen Existenz in den Bann zogen. So war es auch stimmig, für die 20-Jahre-Feier der SOAK im August (im Juli war ja bereits OPUS zu Gast in der Logos-Bar) eine bekannte zakynthische Theatergruppe in unser kleines Amphitheater in Vasilikos einzuladen. Gezeigt wurde die Produktion "To Glendi" (das Fest) und rund 150 Besucher/innen, darunter auch griechische Freunde zeigten sich von der Darbietung mit Live-Musik und Tanzeinlagen sehr beeindruckt. Die Regisseurin der Gruppe, Marie-Luisa Papademous, hatte drei sehr bekannte griechische Liedschöpfungen, teilweise aus dem frühen Mittelalter stammend, szenisch umgesetzt und dabei aus dem antiken Darstellungsrepertoire geschöpft. Die Inhalte der Erzählungen wurden dem überwiegend deutschsprachigen Publikum in einer Einleitung vermittelt, sodass es nicht schwer fiel, dem Gang der Handlung zu folgen. Hauptinhalt des Abends war die Geschichte von "Iliogeniti", der Tochter der Sonne, die von einem jungen, reichen Mann namens Konstantinos, zur Frau begehrt wurde, seine Werbung jedoch ablehnte. Um sie dennoch zur Frau zu bekommen, bediente sich Konstantinos der magischen Kraft von Hexen und mit einem weiteren Trick gelang es ihm schließlich, die wunderschöne Frau in sich verliebt zu machen. Doch seine Mutter, die aufgrund der vorausgehenden Ablehnung der Brautwerbung noch immer tief in ihrer Ehre gekränkt war, vergiftete die Schwiegertochter in spe, worauf sich ihr Sohn in seiner Gram das Leben nahm. Nach der ebenfalls bekannten Ballade der "Toten Brüder" endete das nächtliche Theaterfest mit einem großen Buffet, das die sommerakademischen Gäste in fackelumrahmter Meeresnähe vor dem Amphitheater kulinarisch verwöhnte.

Dienstag, 14. August 2012

Michael Niavarani steht auf Zakynthos

Viele SOAKies dachten in den vergangenen Tagen nicht ganz recht zu sehen, als sie ein durch Fernsehen, Film und Theater bekanntes Gesicht regelmäßig an den diversen beliebten sommerakademischen Treffpunkten in Vasilikos erblickten. Ein neuer Kurleiter in  der SOAK? Oder gar die Vorhut einer neuen persischen Invasion in Griechenland? Keineswegs. Wobei sich natürlich besonders Massud Rahnama, unser aus dem Iran stammender Impromime besonders freute, seinen Landsmann und Schauspielerkollegen, den bekannten Kabarettisten Michael Niavarani in Vasilikos zu sehen. Dieser urlaubt bereits seit vielen Jahren zurückgezogen mit seiner Familie in Vasilikos, kam aber diesmals ganz spontan in Begleitung der beiden SOAK-Kursleiter Petra Benovsky (Fotografie) und Lukas Hillebrand (Musik & Singen) auf die Insel. Zuvor hatte er noch in der Wiener Stadthalle über 2.000 Fans begeistert, bevor er eine längere Auftrittsauszeit begann. Immerhin ist der Simpl-Chef seit zwei Jahren auch Intendant des erfolgreichen Sommertheaters in Berndorf und war mit seinem letzten Kabarettprogramm lange Zeit auf Achse. Jetzt stehen eher Erholung und inspirative Ruhe für allerlei neue Projekte, darunter auch ein literarisches, an.

So gab es nun in den letzten Tagen vergnügliche Runden mit dem Großmeister des feinen Humors in Yannis Coffehouse, philosophische Gespräche in Nikos Bousoulas-Taverne und Vorträge über Quantenphysik in der Logos-Bar. Letztere Wissenschaft ist nämlich seit drei Jahren ein großes Steckenpferd von Michael Niavarani und machte es großes Vergnügen, ihm bei seinen interessanten Gedanken zu lauschen. Ein Grund für den Spontanausflug nach Zakynthos mag auch die Überlegung gewesen sein, mit seinem Freund und Agenten Georg Hoanzl, der ebenfalls ein langjähriger Sommerakademie-Gast ist, zusammen zu treffen. Schließlich lässt es sich ja mit dem Blick auf das smaragd-türkisblaue Meer genüsslicher neue Pläne aushecken.

Sonntag, 12. August 2012

Junge Talente in der Sommerakademie



Die Acrylmalerei erfreut sich in der Sommerakademie schon seit mehr als 15 Jahren großer Belietbheit und hat sogar schon zahlreiche Talente ans zakynthische Tageslicht gebracht oder sogar Teilnehmer/innen zum weiterführenden Studium an diversen Kunstschulen oder Universitäten bewogen. Immer wieder hört man aus Künstlerkreisen etwas abfällige Bemerkungen über Menschen, die sich in ihrer Freizeit und als Hobby mit Malerei oder diversen anderen Kunstrichtungen auseinander setzen, dies aber gar  nicht unter Erwerbsaspekten tun. Zuletzt etwa der bekannte österreichische Maler und Grafiker Herwig Zens, der sich in einer Filmdokumentation zum Thema Farbe über "Hausfrauen" mokierte, die an diversen Kurseinrichtungen Malkurse besuchen würden, aber von Kunst überhaupt nichts verstünden. Seiner Ansicht nach entstünde Kunst nur aus Leidensdruck, der wahre Künstler müsse dramatische und qualvolle Lebensmomente durchlaufen, um immer wieder aus sich selbst schöpfen zu können und dgl. Dies habe nichts mit Lust und Spaß und schon gar nichts mit Urlaubsvergnügen zu tun. Derartige - zumeist aus dem frustrierten Mund von Künstlersenioren stammende - verzopfte Ansichten vermögen wir hier nicht zu teilen. Sie entstammen einem schon längst überholten "Unterrichtsdrilll- und Leidenmüssen-System", was auch die jüngsten Erkenntnisse der Neurobiologie eindrucksvoll bestätigen. Die Hirnaktivität wird besonders - und auch bis in das hohe Alter hinein - durch lustvolle Lernanreize gesteigert, was natürlich auch andere und kreativere Unterrichtsmodelle und pädagogisch kreative Lehrende erfordert. Die Sommerakademie ist seit Jahrzehnten der lebendige Beweis dafür, dass in jedem Menschen erhebliches kreatives Potential vorhanden ist und dieses selbst in kürzester Zeit im richtigen Umfeld und mit einfühlsamer und anregender Begleitung zu Tage gefördert werden kann. Menschen, die in ihrer Bereitschaft, sich kreativ zu betätigen, nicht durch unkende Zurufe frustiert und traumatisiert werden (wie dies oft in unseren Schulen geschieht), sind zufriedenere, entspanntere und glücklichere Menschen - gleich ob sie nun mit der von ihnen praktizierten Kreativität ihren Lebensunterhalt verdienen (müssen) oder nicht. Im Besondern gilt dies für die Bereiche Musik, Theater und Malerei.

Das obige Bild des SOAK-Hundes "Gina" wurde übrigens von einem 12-jährigen Mädchen gemalt, das seit vielen Jahren mit ihrer Familie in die SOAK kommt und zudem in ihrer kreativen Entfaltung durch zahlreiche andere privaten Malkurse gefördert wird. Leo - so der Name der jungen Malerin - liebt ganz besonders die Tiermalerei. Stundenlang sitzt sie ganz versunken vor der Staffelei und bringt Pferde, Esel, Katzen und sonstige Tiermotive kunstvoll auf die Leinwand. Niemand korrigiert sie hier mit erhobenem Zeigefinger, kritisiert sie in verletzender Weise oder zwingt sie, Dinge zu malen, die sie nicht will. Genau so interessiert sich das quirlige Mädchen aber auch für Tanz, Theater und Musik. Um solche hervorragenden Talente auch weiterhin zu unterstützen, wird die SOAK ab nun Kunststipendien für ihre jungen Teilnehmer/innen vergeben. Und Leo ist die erste SOAK-Stipendiatin für 2013! Wir gratulieren!